5 Tipps: Richtig gendern im Business

5 Tipps: Richtig gendern
Geschlechtergerecht & lesefreundlich schreiben

Lesefreundlich schreiben, zielgruppe erreichen

Wer gendert, ist auf der Höhe der Zeit. Auch im Business.

In meiner Arbeit als Lektorin stoße ich häufig auf folgende Sorge der Autoren oder Texterinnen:

 

  • Verunstalte ich meinen Text, wenn ich gegenderte Sprache verwende?
  • Stoße ich damit bei meiner Zielgruppe auf Widerstand?

Geschlechtergerechte Sprache wird jedoch schon in den unterschiedlichesten Bereichen ganz selbstverständlich e ingesetzt. Zahlreiche Unternehmen haben zum Beispiel längst interne Richtlinien dafür erstellt.

 

Gendersternchen, Binnen-I und Unterstrich sind wohl die berühmtesten Vertreter der geschlechtergerechten Sprache – aber bei Weitem nicht die einzigen. Ich mache dir in diesem Artikel Vorschläge, wie du deine Texte ganz leicht genderfreundlich gestaltest. Und das, ohne den Lese-Flow zu beeinträchtigen. Denn egal, welche persönliche Meinung du vertrittst: Im Business-Text solltest du das Thema nicht einfach ignorieren.

 

Lies hier, warum Gender-Sprache die Wissenschaft auf ihrer Seite hat und welche Werkzeuge dir zum lesefreundlichen Gendern zur Verfügung stehen. Mit ein bisschen Kreativität und der richtigen Mischung gelingt dir das ganz leicht!

frauen "Mitmeinen" oder einbeziehen?

 Studien belegen, dass die sogenannte generische männliche Form ausschließlich Bilder von Männern hervorruft. Beispiele sind Wörter wie Mitarbeiter, Teamleiter oder Sprecher. Frauen werden in diesen Fällen bestenfalls „mitgemeint“,sind aber nicht wirklich einbezogen. Manche werden sich trotzdem angesprochen fühlen, viele aber auch nicht. Wenn du Frauen oder diverse Menschen direkt anzusprichst, erweiterst du automatisch deine Zielgruppe! Denn auch zahlende Kund*innen sind zahlende Kunden.

 

Wie gendere ich am besten?

Cheat Sheet: Sanftes Gendern im Business-Text. signe-viergutz.de

1.      Vermeide den Disclaimer

"Frauen sind selbstverständlich mitgemeint." Mit dieser Ansage mogeln sich Autorinnen und Autoren um das Thema herum. Eine gendergerechte Sprache soll dazu beitragen, dass nicht nur das männliche Geschlecht sprachlich repräsentiert ist. Das kann ein Disclaimer, der irgendwo in der Einleitung gesetzt wurde, aber nicht leisten.

Mein Tipp: Wenn du geschlechtergerechte Sprache umsetzen möchten, rate ich von der Disclaimer-Methode ab.

 

2.      Setze Gendersternchen & Co. ein, wenn du deine zielgruppe gut kennst

Schreibweisen wie MitarbeiterInnen, Kolleg*innen, Vertreter/innen oder Redner_innen werden aus naheliegendem Grund Sparformen genannt. Der Vorteil neben der Effizienz: * und _ beziehen auch geschlechtlich diverse Personen ein. Unbeliebt machen sie sich, weil sie grammatisch nicht korrekt sind und beim Lesen (durchaus beabsichtigt) ein kleiner Stolperer entsteht. In Kombination mit Pronomen wie er, sein / sie, ihr wird’s kompliziert.

Mein Tipp: Verwende Sparformen dort, wo sie bereits etabliert sind, und dann konsequent.

 

3.      VerwendE gelegentlich DIE männliche und die weibliche Form

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Studentinnen und Studenten, Bewohner und Bewohnerinnen: Diese Schreibweise erhöht deutlich die Sichtbarkeit von Frauen. Sie ist jedoch nicht divers. Außerdem schreibt und liest sie sich auf Dauer schwerfällig und umständlich.

Mein Tipp: Streue diese Form gelegentlich ein. Verwende zusätzlich mal das eine, mal das andere Geschlecht; so ist eine Ausgewogenheit gewährleistet: Liebe Leserin, lieber Leser, egal ob Sie Dozentin oder Bäcker sind, Schneider oder Verkäuferin

 

4.      Setze Neutrale wörter Bewusst ein

In vielen Zusammenhängen kannst du weibliche oder männliche Wörter durch neutrale Begriffe wie Team oder Mitarbeitende vermeiden. Wieder eine recht effiziente Möglichkeit, bei der kein Geschlecht ausgeschlossen wird. Allerdings sind solche Formen etwas abstrakt und blass.

Mein Tipp: Verwende die -nd-Form sparsam und nur dort, wo sie treffend ist. Schreibe lieber gelegentlich die männliche und weibliche Form aus. Setze die Endung -kraft ein wie in Bürokraft, oder -person wie in Ansprechperson. Die klassische Anrede „Sehr geehrte Frau / sehr geehrter Herr ...“ lässt sich gut durch geschlechterneutrale Varianten ersetzen: Guten Tag, Eike Lorenz; Hallo zusammen; liebes Team.

 

5.      berücksichtigE vielfältige Standpunkte

Eine geschlechtergerechte Sprache ist nicht auf Grammatik und Wortwahl begrenzt. Beleuchtest du zum Beispiel auch weibliches Erleben in deiner Reportage? Hast du deine Fallbeispiele ausgewogen zusammengestellt?

Tipp: Überprüfe deinen Text auch auf Klischees. Eine Studie von 2019 ergab zum Beispiel, dass Werbung, die auf moderne Frauenbilder setzt, ihre Zielgruppe viel besser erreicht.

 

Zusammenfassung:

  • Gender-Sprache ist keineswegs ein Nischenthema. Auch im Business hat sie ihren festen Platz.
  • Du möchtest möglichst viele Personen deiner Zielgruppe erreichen? Dann sprich sie auch an, statt sie nur „mitzumeinen“.
  • Werde kreativ und verwende verschiedene grammatische Formen in einem gut lesbaren und trotzdem gender-freundlichen Mix.
  • Fülle deine Inhalte vielfältigen Standpunkten. Verzichte auf Klischees.

Was für Erfahrungen hast du mit dem Gendern gemacht? Fällt es dir leicht? Lehnst du es ab? Schreib deine Meinung in die Kommentare!

 

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